Blickpunkt: Film
Die Zeichentrickserie "Simsalagrimm" geht in die zweite Staffel. Dies kündigten der NDR und Produzent Greenlight Media (GLM) auf der Internationalen Funkausstellung an. Beginn der Ausstrahlung ist für Weihnachten 2005 geplant. "Simsalagrimm" läuft seit 1999 mit 26 Folgen im KI.KA.
Die erste Staffel von "Simsalagrimm" wurde für den NDR produziert, die zweite Staffel ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD unter Federführung des NDR, der damit die Fernsehrechte für Deutschland besitzt. Der höchste Marktanteilswert bei der Erstausstrahlung belief sich auf 43 Prozent bei den Drei- bis 13-Jährigen. "Simsalagrimm" wurde in 126 Länder lizenziert und erhielt beim Kinderfilmfest Gera 2001 den Goldenen Spatz. Die Gebrüder Grimm Gesellschaft habe "Simsalagrimm" gelobt, "weil wir Märchen erfolgreich in ein anderes Medium überführt und dadurch fit gemacht haben für moderne Zeiten", so NDR-Kulturchef Thomas Schreiber.
NDR und GLM möchten in der zweiten Staffel auf diesen Erfolgen aufbauen und die Serie gleichzeitig weiterentwickeln. Immer wiederkehrende, identitätsstiftende Charaktere, die in die Geschichten integriert werden und sie moderieren, sind der Draufgänger Yoyo und der belesene und zurückhaltende Bücherwurm Doc Croc. Sie sollen noch stärker als Identifikationsfiguren ausgebaut werden. "Yoyo und Doc Croc sind Protagonisten der Kinder", sagt André Sikojev, Produzent und Erfinder von "Simsalagrimm". "Wir möchten Märchen auch aus anderen Perspektiven erzählen, um zu sehen, was hinter den Geschichten steckt", erklärt NDR-Redakteurin Sandra LeBlanc. "Wir berücksichtigen Aspekte, die im Märchen nicht erzählt werden, um so auch von den gängigen Klischees der Märchen wegzukommen." Dabei wird großer Wert auf Dramaturgie, Inhalt, Humor und zeichnerische Ausführung der Geschichten gelegt. "Die Produktqualität spielt in allen Bereichen eine große Rolle", betont Sikojev. Mit der Serie sollte u.a. ein Gegenpol zu gängiger Zeichentrickware asiatischen Ursprungs geschaffen werden. Das betrifft nicht nur den Umgang mit Gewalt, sondern auch die Stellung der Produktion innerhalb der Verwertungskette. "Ein erheblicher Unterschied etwa zu 'Pokémon' besteht darin, dass der Zweck von 'Simsalagrimm' nicht ist, so viel Merchandising-Produkte wie möglich zu verkaufen", sagt Thomas Schreiber. "Zeichentrickserien spielen im erzieherischen Prozess der Kinder eine Rolle", ist sich Sikojev bewusst. Aber auch "Simsalagrimm" verzichtet nicht auf Merchandising. Inzwischen gibt es rund 70 Produkte und im Zuge der neuen Staffel ist eine neue Generation von kindgerechten Produkten geplant. Auch gibt es erste Überlegungen für ein gemeinsames Mediakonzept zwischen GLM und NDR.
Die ausführenden Arbeiten an der zweiten Staffel wird ein internationales Studio übernehmen, wobei auch deutsche Zeichner zum Team gehören. Die Bücher werden von angloamerikanischen Autoren geschrieben, produziert werden eine englische und eine deutsche Fassung. Mit an Bord soll noch ein internationaler Koproduzent. Alle bisherigen 126 Lizenznehmer haben bereits ernstes Interesse an der Fortsetzung bekundet. Zu den offenen Märkten gehören die USA und Großbritannien, da trotz Videoangeboten noch eine entsprechende TV-Plattform fehlt. In Russland wurde erst kürzlich der passende Partner gefunden. "Wir suchen Partner, die die Marke richtig aufbauen", erklärt Sikojev die Kernstrategie der internationalen Vermarktung. Die Herstellungskosten für die 26 neuen Folgen belaufen sich auf rund zehn Mio. Euro. Die Geschichten werden zu etwa zwei Dritteln Grimmsche Märchen umfassen. Zum anderen Teil gehören etwa "Jack und die Bohnenranke" und Märchen von Wilhelm Hauff. Die Produktion ist recht aufwändig, da für jede Folge alle Hintergründe und fast alle Charaktere neu entworfen werden müssen.
